Sicherheitspolitik wird oft entlang klarer Zuständigkeiten diskutiert: hier das Militär, dort die Diplomatie, dazwischen Wirtschaft, Verwaltung, Gesellschaft oder Technologie. In der Praxis aber verlaufen die Bruchlinien anders. Strategische Risiken entstehen heute selten isoliert. Sie entstehen im Zusammenspiel von geopolitischen Verschiebungen, technologischen Sprüngen, gesellschaftlichen Dynamiken und institutionellen Grenzen.
Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit vom Swiss Institute for Global Affairs (SIGA) an: forschen, vermitteln und verbinden.
Wir beschäftigen uns mit Geopolitik und Strategie nicht als abstrakte Theorie, sondern als etwas, das sich konkret auf gesellschaftliche Realitäten, Entscheidungsprozesse und Handlungsoptionen auswirkt. Dabei interessiert uns nicht nur das militärische Instrument im engeren Sinn, sondern das gesamte sicherheits- und verteidigungspolitische Spektrum: zivile Vorsorge, Resilienz von Gesellschaft und Wirtschaft, kritische Infrastrukturen, Informationsräume, technologische Abhängigkeiten, normative Rahmenbedingungen und institutionelle Architekturen.
Gerade für sicherheitspolitische Akteure wird spürbar, dass klassische Kategorien zunehmend an Trennschärfe verlieren. Der Übergang zwischen Frieden, Krise und Konflikt ist fliessend. Der Informationsraum ist längst ein Einsatzraum. Normen, Standards und Lieferketten können strategische Wirkung entfalten – oft schneller als konventionelle Mittel. Gleichzeitig bleibt das militärische Potenzial zentral, aber es ist eingebettet in ein komplexes, soziotechnologisches, kulturelles und politökonomisches Umfeld.
Die Analysen von SIGA verbinden deshalb verschiedene Ebenen: die strategische Vogelperspektive ebenso wie den Blick „von unten“. Wir fragen, wie geopolitische Entwicklungen im Indopazifik oder im arktischen Raum konkrete Konsequenzen für europäische Sicherheitsarchitekturen haben; wir analysieren die Reformen des chinesischen Sicherheitsapparats, um zu verstehen, wie Verteidigung und Sicherheit in Asien aussehen könnten. Wir untersuchen, wie neue Technologien – von Cyber über Digitalisierung bis zum Weltraum – sicherheitspolitische Konzepte, Strukturen und Verwundbarkeiten verändern. Und wir analysieren, wie Narrative, Desinformation und Spin Politics politische und militärische Entscheidungsräume beeinflussen.
Ein besonderer Fokus liegt auf Regionen, die in der europäischen Debatte oft nur selektiv wahrgenommen werden. Mit unseren Desks zu Süd- und Ostasien arbeiten Fellows mit regionaler Expertise an langfristigen strategischen Themen, entlang von Machtverschiebungen, neuen Allianzformen, Wirtschaftsverflechtungen und institutionellen Entwicklungen. Der Indopazifik ist dabei kein fernes „Aussen“, sondern ein zentraler Referenzraum für zukünftige Sicherheitsordnungen.
Unsere Arbeit zeigt sich nicht nur in Texten. Wir experimentieren bewusst mit unterschiedlichen Formaten: eigene Karten (vgl. SIGA Map Service), Visualisierungen, interaktive Darstellungen und Veranstaltungen, die Austausch zwischen militärischer Praxis, Verwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft ermöglichen. Denn strategisches Denken entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern im Dialog und mit Kreativität.
Sicherheitspolitik bleibt ein Feld konkreter Entscheidungen und politischer Auseinandersetzung. Wir glauben aber, dass praxisbezogene und interdisziplinäre Auslegeordnungen und Antizipation, die im transdisziplinären Zusammenspiel von Praxis, Wissenschaft und kreativem Diskurs entstehen, dringend nötig sind, um mit den realen Herausforderungen und Bedrohungen umgehen zu können.

