Während westliche Medien vor allem Präsident Trumps Tänzchen vor der Air Force One bei der Ankunft in Malaysia portraitierten und das vermeintliche Friedensabkommen zwischen Kambodscha und Thailand unter Trumps Vorzeichen lasen, rücken realpolitisch die Kräfte in Asien und um den Pazifik zusammen (vgl. Beitrag Ayesha Chaudhry).
Dabei ist festzuhalten, dass das Abkommen zwischen Kambodscha und Thailand erstens nur ein erweitertes Waffenstillstandsabkommen ist, sowie Chinas Rolle in diesem Prozess ebenfalls hervorgehoben werden musste. Ein ähnliches Muster zeigte sich beim Japan-Besuch von Donald Trump vom 27. Oktober 2025. Er wird mit geschickten Geschichten, vielen Geschenken, Symbolen und Lobhudelei, sowie grossen Versprechungen besänftigt, während sich unter der Hand Unmut und das Gefühl der Demütigung breit machen. Auch die medial verkündete Stärkung der Allianzen mit Japan und Südkorea ist mit Vorsicht zu interpretieren. Der Atom-U-Boot-Deal mit Südkorea ist zwar bemerkenswert, aber seit AUKUS ist bekannt, dass die Infrastruktur-Kapazitäten bisher für einen massiven Ausbau fehlen. Ob die gemachten Versprechungen alle eingehalten werden können, ist fraglich.
Am anstehenden APEC-Gipfel steht ebenfalls ein hochrangiges Treffen zwischen China und Südkorea an, welches die Vorzeichen nochmals kehren könnte. Zudem ist die Bilateralisierung von Trumps Allianz-Politik nicht fähig, ein tragfähiges Netz und zukunftsgerichtete Narrative zu liefern. Zentral ist beispielsweise, ob und wie sich die Beziehungen zwischen Japan und Südkorea weiterentwickeln. Auch hier stehen heikle Fragen an.
Für China ist es in diesem Umfeld ein Leichtes, die Lücke der USA in Asien mit seiner Rhetorik für Multilateralismus zu füllen. Das Vertrauen in die USA und in den Westen nimmt ab, was nicht daran hindert Handelsabkommen zum eigenen Vorteil zu schliessen. Das Zusammenrücken findet aber ausserhalb des Westens unter dem Narrativ der Süd-Süd-Kooperation statt. Dabei spielen auch die BRICS-Staaten, insbesondere Indien und Brasilien eine ausgleichende Rolle.
China nutzt den aktuell vorherrschenden geopolitischen und ökonomischen Pragmatismus, um seine Einflusssphäre und -bereiche stetig auszuweiten. Das erratische und symbolpolitische US-Amerika bietet dabei viel narrativen Handlungsspielraum, so dass sich Peking als weltoffen, stabil, fortschrittlich und gerecht präsentieren kann. Europa droht dabei wegen langfristigen Abhängigkeiten und selbstgeschaffenen Dilemmas den Anschluss zu verlieren und letztlich wegen geo- und regionalpolitischen Machtkämpfen aufgerieben zu werden. Der Nicht-Deal zwischen Xi Jinping und Donald Trump hat in Südkorea gezeigt, dass China am längeren Hebel sitzt und Zeit hat. Nur schon, dass Trump für ein solches Treffen nach Asien kommen musste und das nächste Treffen in China stattfinden soll zeigt, dass die Vorzeichen der Weltpolitik asiatisch geprägt sind.
Obwohl eine RCEP-Erweiterung vorerst ausgeblieben ist, kann die weltgrösste Freihandelszone sich ebenfalls Zeit lassen. Die Türen sind weiterhin offen und der Aufnahmeprozess soll beschleunigt werden. Die Anziehungskraft scheint gross zu sein, mit konkret interessierten Ländern wie Sri Lanka, Chile und Bangladesch. Einzig ASEAN konnte dieses Jahr mit Osttimor eine Ausweitung verkünden. Ansonsten werden durchgehend die westlichen Narrative von Inklusion, globale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Globalisierung rezipiert und mit den entsprechenden Echokammern propagiert. Integration, Liberalisierung, Lieferketten und neue Technologien sind zentrale Bestandteile von Vertiefungen innerhalb dieser Kooperationsstrukturen.
Damit werden hinter den US-amerikanischen Nebelpetarden Fakten geschaffen und Narrative gestärkt, die China und den Globalen Süden als symbolisches Konstrukt stärken.
