Am 28. November lud das Swiss Institute for Global Affairs (SIGA) zu einem gesellschaftlichen Diskurs im neuen Zentrum für Sicherheits- und Geopolitik in Zofingen ein. In einer offenen Debatte diskutierten vier Expertinnen und Experten mit der Bevölkerung über das Thema Kriegswirtschaft und wie die Schweiz in diesem Thema positioniert ist.
Der Krieg in der Ukraine hat sich zu einem Abnützungskrieg gewandelt. Solche Kriege bedürfen einer robusten Kriegswirtschaft. Sie werden in der Regel von der Partei gewonnen, die in der Lage ist, neue, wettbewerbsfähig ausgebildete Kräfte und die dafür erforderlichen Waffen zu produzieren und zu unterhalten. Es geht darum, eine nachhaltige Kriegswirtschaft, die Mobilisierung von Personal sowie die Nachschubwege sicherzustellen.
Im Juni 2022 hat Nationalrat Thomas Rechsteiner eine Motion im Bundesparlament eingereicht, die eine übergeordnete Strategie zur Sicherheit und Verteidigung der Schweiz fordert. Wir haben mit Thomas Rechsteiner über seine Forderung gesprochen.
Die Entwicklungen in den letzten Wochen haben gezeigt, dass der Einmarsch Russlands in die Ukraine geopolitische Machtverschiebungen produziert, bei denen Europa leider nur noch eine Nebenrolle einzunehmen scheint. Die Kulmination von variablen und mehrdeutigen Umwälzungen ist etwas, womit Europa – und auch die Schweiz – in ihrer reaktiven Herangehensweise nicht mehr clever umzugehen weiss und daher droht, global abgehängt zu werden.
Der Krieg in der Ukraine führt uns seit bald fünf Monaten vor Augen, dass kinetische und territorial geführte Konflikte nach wie vor Realität sind. Der klassisch militärische Angriff durch Russland hat aber geopolitisch weit mehr Implikationen als vordergründig sichtbar. Letztlich ist der Krieg in diesem Kontext als Provokation und Herausforderung des westlichen Wertesystems durch andere Weltregionen und Ordnungsvorstellungen zu lesen.